Dritter Tag

Zwischen zwei Regenschauern heute Morgen erreiche ich trocken die Kapelle St. Michael. Zum Morgengebet kommen immer nur Frauen. Das fällt mir auch dieses Mal wieder auf. Wir sind immer eine kleine Gruppe. Aber in der Kapelle ist es eine schöne Atmosphäre. Und der Gedanke von heute ist auch, dass es den Menschen im Advent schon auch wichtig ist, in dieser Zeit Wohlfühlelemente wie Deko oder bestimmte Rituale zu haben, die uns auf Weihnachten einstimmen.

 

Echtes Licht hat ja eine besondere Wirkung auf Menschen. Das Mittagsgebet führt den Gedanken dann weiter mit einer Geschichte, in der die Finsternis ein Licht nicht auslöschen kann. Zünden Sie doch im Laufe der Woche bewusst Kerzenlichter an - der Adventskranz ist ja gut dafür geeignet- und genießen Sie das Licht in einem Moment der Stille. Beim Mittagsgebet sind heute neben Kollegen auch ältere Damen, die z.T. auch schon jedes Jahr dabei sind. Tatsächlich interessieren sich auch Jugendliche dafür, trauen sich aber nicht in unsere Runde hinein, die wir bewusst vor der Kirche gebildet haben.

 

Zuvor jedoch sind auch alle Kindergartenkinder in der Kirche und auch wir entdecken, wie eine einzelne Kerze einen dunklen Raum erhellen kann. Schön, dass auch ein paar Mütter und Omas gekommen sind. Mit einem Kerzentanz zeigen wir, wie wir Licht verbreiten. Und die Kinder haben gute Gedanken, wie man das Licht Jesu in die Welt tragen kann: helfen, teilen, trösten.

 

Um 16 Uhr ist für zwei Stunden das Pfarrbüro an der Hildegardkirche geöffnet.

 

Um 17 Uhr ist wieder die Kita St. Hildegard dran: 25 Kinder führen – wegen des Regens vor der Sparkassenpassage – das Minimusical der 4 Kerzen auf. Schon super, dass die Stadt erstmalig den lebendigen Adventskalender koordiniert hat und wir mit dem Weltladen zusammen dies anbieten können. Obwohl es wie aus Kübeln regnet sind, viel, nicht nur die Eltern, gekommen. Die Kinder haben das ganz toll gemacht. Die nächsten zwei Tage haben wir das ebenfalls in unser Programm eingebaut.

 

Spontan muss ich danach noch eine Wortgottesfeier statt Roratemesse in der Hildegardkapelle übernehmen, da der eine Pfarrer krank und der andere im Stau steht. Die 20 Gottesdienstbesucher haben es mir gedankt.

 

Mein Kollege Herbert Kohl hat in die Kapelle von St. Michael zum Gehen der  Adventsspirale eingeladen. Eine Stunde nichts tun, Stille und Ruhe genießen. Ganz verschiedene Menschen sind gekommen, die sich diese Stunde gönnen. Und es ist ein besonderes Erlebnis, die Spirale in die Mitte zu gehen, an der Osterkerze das Licht zu entzünden und den Weg wieder nach außen zu gehen. Ich könnte noch lange so sitzen und meinen Kopf leeren. Aber nach einem kurzen Gespräch und einem Becher Glühwein muss ich kurz mal nach Hause.

 

Das Nachtgebet, das meine Kollegin Christina Feifer heute und für die nächsten Abende gestaltet, beschließt diesen Tag. Leider sind wir nicht sehr viele Teilnehmer, wahrscheinlich wegen des Regens. Ein erhellter Pfad aus Steinen und Lichtern nimmt den Raum ein und wir stellen unsere Kerze in den Pfad, bevor es beginnt. Das Nachtgebet der Kirche mit Taizégesängen und unterschiedlichen Psalmen, einer ungewöhnlichen Lesung runden den Tag wirklich ab. Und so war das heute eine wirkliche Fülle von unterschiedlichen Gebeten, wo ebenfalls unterschiedliche Menschen daran teilgenommen haben.

Dorothea Busalt

Fotos:

3-5 Sylvia Thomas

1,2,8-11,13 Dorothea Busalt

6,7,12 Herbert Kohl

14,^5 Ike Thurner