Sie sind hier: Einrichtungen / Haus des Lebens / Förderverein "Haus des Lebens"
Samstag, 19.05.2012

Förderverein Haus des Lebens

Sie haben Interesse, sich für eine gute Sache zu engagieren?
Und Sie wären gerne bereit, dafür einen überschaubaren Geldbetrag jedes Jahr zu investieren?
Sie hatten sowieso vor, Geld für einen guten Zweck zu spenden und suchen noch ein passendes Projekt?
Ihnen ist die Situation von Frauen, die durch ihre Schwangerschaft in schwierige Umstände kommen, ein Anliegen – und Sie würden gerne hefen? Vielleicht weil Sie selbst aus eigener Erfahrung wissen, dass es nicht immer „glückliche Umstände“ sind, wenn sich ein Kind ankündigt? Vielleicht wollen Sie auch „Danke schön“ dafür sagen, dass doch alles gut gegangen ist?
Und Sie würden gerne ein Projekt unterstützen, zu dem Sie einen persönlichen Bezug haben – sei es durch die konkrete Verortung in Viernheim oder die Mitarbeit der Clemesschwestern (Münster) oder die Begleitung dieses Projektes durch Menschen, die Sie kennen...

Werden Sie Mitglied im Förderverein!

Jede Spende hilft! - Wir brauchen Ihre Unterstützung! - Helfen Sie dem Leben leben!

Weitere Informationen finden Sie unter

www.haus-des-lebens-viernheim.de

Jubiläumsfahrt ins Oldenburger Münsterland

Einige erstaunte Blicke gab es schon, als die Pastorale Mitarbeiterin von St. Hildegard und St. Michael, Andrea Schwarz, vor anderthalb Jahren ankündigte, dass die dritte „große Fahrt“ für die Mitglieder des Fördervereins vom „Haus des Lebens“ im Herbst 2011 ins Oldenburger Münsterland gehen sollte. Die wenigsten wussten, wo das überhaupt liegt – und was um alles in der Welt sollte man denn dort sehen?? Aber man ahnte schon, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der letzten  beiden großen Fahrten ins Münsterland und ins Emsland, die Andrea Schwarz organisiert hatte, dass es sicher im Norden liegen würde – und dass man wohl doch einiges zu sehen bekommen würde.

Dass der Bus, der dann am vergangenen Freitag startete, nicht ganz voll besetzt war, lag an einigen sehr kurzfristigen, krankheitsbedingten Absagen – so waren es „nur“ 44 Teilnehmer, die an dem Abenteuer „Oldenburger Münsterland“ teilnehmen konnten. Aber sie bereuten es nicht…

Das Oldenburger Münsterland liegt nördlich von Osnabrück in Richtung Bremen. Die meisten fahren durch diese Gegend nur durch – auf der Fahrt in den Urlaub. Dabei ist diese Region mehr als nur bemerkenswert: Sie hat eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen in Deutschland (4%), einer der höchsten Eigenheimquoten (80%) – und ist die Gegend  mit der höchsten Geburtenzahl in Deutschland! Und all das in einer bezaubernden Landschaft!! Obwohl nördlich von Osnabrück gelegen, gehört diese Gegend zum Bistum Münster und hat einen eigenen Weihbischof.

Nach einem Reisesegen von Pater Ignatius gab es erst einmal eine lange Anreise. Die wurde durch einen Mittagsstopp in Maria Veen im Münsterland unterbrochen. In dem Kloster dort leben und arbeiten Brüder und Schwestern der Gemeinschaft, in der Andrea Schwarz derzeit ehrenamtlich in Südafrika in Mariannhill mitarbeitet. Und so war es schön, dieses „Netzwerk Kirche“ erleben zu können – Südafrika, Viernheim, das Münsterland… miteinander verbunden im Glauben und im tatkräftigen Tun! Pater Michael führte in die Arbeit des Ordens dort  ein, eine große Schule, Behinderteneinrichtungen, Pfarrseelsorge – und Sr. Kitane aus Kenia, die derzeit in Deutschland Theologie studiert, machte Kirche weltweit leibhaftig erlebbar!! Und in der Westfälischen Kartoffelsuppe, die der Gruppe dort zum Mittagessen serviert wurde, war eindeutig mehr Mettwurst als Kartoffeln!

Der nächste Stopp war dann in Osnabrück, neben Münster die Stadt, in der der Westfälische Frieden geschlossen wurde. Dort warteten schon drei nette Menschen, die Andrea Schwarz aus ihrer Arbeit in der Diözese kannte, um den Viernheimern ihr ganz persönliches Osnabrück zu zeigen – Dom, Altstadt, die beste Eisdiele, die kleine Brauerei. Und die Stadt überraschte: Frisch und mit Geschichte zugleich, aufgeräumt und ein wenig augenzwinkernd – kurz: Zum Wiederkommen einladend!

Am Abend war man dann endlich im Burghotel Dinklage angekommen – und damit mitten drin im Oldenburger Münsterland. Das Vier-Sterne-Hotel verwöhnte die Teilnehmer nach Strich und Faden – und die Teilnehmer ließen sich gerne verwöhnen! Hervorragendes Essen, bester Service, ein schöner Wellness-Bereich – und, zum  Hotel dazugehörend, ein eigener Wildpark.

Der Samstag zeigte dann, was das Oldenburger Münsterland zu bieten hat! Den Auftakt machte das Gestüt von Paul Schockemöhle mit ca. dreihundert Pferden. Zum großen Teil werden sie zu Springpferden ausgebildet, andere sind zu Zuchtzwecken da. Normalerweise werden solche Führungen nur für Käufer und Züchter durchgeführt – aber die Idee vom „Haus des Lebens“ öffnete die Türen.  Die Gruppe wurde durch die Stallungen geführt, erlebte Pferde beim Training – und ahnte ein wenig, was hinter einem erfolgreichen Springpferd alles an Arbeit steckt!

Anschließend ging es zum Dümmer See, einem Naherholungsgebiet bei den Dammer Bergen. Bei einer Führung durch eine Aalräucherei lernte man viel Neues, z.B. dass die Aale in der Saragossa-See vor Florida zur Welt kommen und bis in unsere Binnengewässer wandern. Und die ganz Mutigen konnten hautnah erleben, wo das Wort „aalglatt“ herkommt – denn einen lebendigen Aal in die Hand zu nehmen, gestaltete sich als ausgesprochen schwierig.

Zum Mittagessen war man dann in der Pfarrei St. Viktor in Damme zu Gast, einer Stadt, die u.a. durch ihren Karneval berühmt ist, den man dort allerdings mit „C“ schreibt und eine Woche früher feiert. Pfr. Christoph Winkeler begrüßte die Gäste herzlich – und die Teilnehmer wurden essensmäßig wieder einmal richtig verwöhnt! Im „Dammer Dom“, eine der größte Kirchen dort in der Region mit ca. 1000 Sitzplätzen, erzählte er noch ein wenig über die Kirche, deren harmonischer Innenraum alle in ihren Bann zog. Bei einem kleinen Orgelkonzert war dann noch Gelegenheit, die Musik und den Raum auf sich wirken zu lassen.

 18 km westlich von Damme, schon nicht mehr zum Oldenburger Münsterland gehörend, aber doch in diese Region ausstrahlend, liegt die Kommende Lage, eine alte Kirchenanlage des Johanniterordens. Das Besondere an diesem Ort ist ein Kreuz aus dem Mittelalter, das dort verehrt wird, und den Ort zu einem Wallfahrtsort gemacht hat. „Kommst Du mit Kreuz tragen?“ – das ist in der Region ein gängiger Ausdruck: Wenn jemand krank oder verunglückt ist, geht man nach Lage, „Kreuz tragen“. Drei oder vier Männer nehmen das große Holzkreuz, immerhin 134 kg schwer, auf ihre Schultern und tragen es um die Kirche - als Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität für denjenigen, „man trägt sein Kreuz mit“, man stellt sich mit ihm unter das Kreuz. Und es war für alle eine tiefgreifende Erfahrung, an diesem Nachmittag das „Kreuz zu tragen“ in den Anliegen all derer, die mit dem „Haus des Lebens“ in Berührung kommen: Den schwangeren Frauen, die nicht mehr weiter wissen, den ungeborenen Kindern, die keine Perspektive auf Leben haben, den Müttern mit ihren kleinen Kindern, die sich schwer tun, ihren Alltag zu bewältigen. Die Gruppe begleitete die vier „Kreuzträger“ mit ihrem Gebet - und jeder war eingeladen, auch all diejenigen, um die er weiß und die eine Not zu tragen haben, mit diesem Kreuz vor Gott zu tragen – und jeder ging auf seine Weise diesen Weg des Kreuzes mit. Es war wohl die „stillste Stunde“ auf der Fahrt – und möglicherweise die dichteste…

Zurück im Hotel nutzte man die freie Zeit zum Spazierengehen, zum Stöbern in der Klosterbuchhandlung, zum Kaffeetrinken oder einfach zu einem verspäteten Mittagsschlaf – denn das nächste „highlight“ stand noch für diesen Abend an… die Begegnung mit dem „Hünengeist“. Die Region ist bekannt für ihre Großsteingräber, ca. 3000 v. Chr. entstanden, und eine der größten Anlagen ist der „Visbeker Bräutigam“ und der „Opfertisch“. Natürlich kann man sich das alles bei Tageslicht anschauen – aber man kann diese uralten Stätten auch nachts und bei Fackellicht auf sich wirken lassen. Gedichte, Sagen und Lieder am Feuer und im Licht der Fackeln, umgeben von den „Hünensteinen“, machten nachdenklich und ließen eine Ahnung davon aufkommen, wie es den Menschen vor 5000 Jahren wohl gegangen sein mag, als sie diese Grabanlagen schufen.

Am nächsten Morgen gab es dann eine Führung durch das Benediktinerinnenkloster in der alten Burg Dinklage, einer Wasserburg, malerisch im Burgwald gelegen, 400 m vom Hotel entfernt. Hier wurde Kardinal Graf von Galen geboren – und seine Familie vermachte die Burg den Benediktinerinnen von Alexanderdorf, südlich von Berlin. Durch die Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Ungewissheit, was noch passieren würde, bot die Familie die Burg als Zufluchtsort für die jüngeren Schwestern an – und so entstand dort im Laufe der Jahrzehnte ein lebendiger Konvent von Schwestern, die sich mit der Buchhandlung, dem Klostercafé, der Herstellung von liturgischer Kleidung, Hostienbäckerei und dem Gästehaus ihren Lebensunterhalt verdienen. So eine Wasserburg von außen zu sehen, ist eines – aber durch das große Tor nach innen zu gehen, ein anderes. Und so wurde es wieder einmal sehr still in der Gruppe, …

Zusammen mit Hans Sanders, dem früheren Diözesanpräses der KAB in der Diözese Münster, feierte die Gruppe Gottesdienst in dem ehemaligen Stall der Burg, der inzwischen zur Klosterkirche umgebaut wurde.

Nach einem fürstlichen Mittagessen ging es dann ins Museumsdorf Cloppenburg, das älteste Freilichtmuseum in Deutschland. Schon 1938 wurde das erste Haus dort wieder aufgebaut, um es für die Nachwelt zu erhalten. Die Teilnehmer erkundeten das Gelände auf eigene Faust, und viele fanden Erinnerungen aus ihrer Kindheit wieder, als das Leben noch nicht so technisiert war.

Nach einem gemütlichen Abschlussabend im Hotel trat man dann am Morgen die „Heimfahrt in Raten“ an. Eine erste Unterbrechung gab es in Dülmen. Nach einer Kaffeepause im Hotel „Große Teichsmühle“ ging es zu den Wildpferden im Merfelder Bruch. Durch das Engagement des Herzogs von Croy im 19. Jahrhundert konnte eine Gruppe von wildlebenden Pferden erhalten werden, die dort weitestgehend sich selbst überlassen bleibt – der Mensch greift nur begrenzt ein. Die spannende Frage war: Würde man die Pferde sehen – oder wären sie möglicherweise so weit weg, das man sie nur erahnen würde? Aber das Glück blieb den Teilnehmern treu – die ganze Herde war an der Wasserschwemme zu sehen und trollte sich nur allmählich aufgrund der ansteigenden Temperaturen in Richtung Wald. Und auch da wurde es nochmal ganz still in der Gruppe – man schaute und war sich der Einzigartigkeit dieses Momentes bewusst.

Ein wunderschön gerichteter Mittagsimbiss wartete dann auf die Teilnehmer in der katholischen Pfarrgemeinde in Oer-Erkenschwick – auch hier kamen mal wieder „katholische Verbindungen“ zum Tragen. Als Andrea Schwarz bei einem Vortrag dort im Frühjahr dieses Jahres fragte, wo man denn eventuell so einen Mittagsimbiss machen könnte, erklärten sich spontan einige Frauen der Kolpingfamilie bereit, das zu einem Sonderpreis zu übernehmen. Und in den wenigen und kurzen Gesprächen wurde schon klar, dass viele Fragen und Erfahrungen die gleichen sind!

Der letzte Stopp war dann in Maria Laach, das aufgrund des Feiertages sehr überlaufen war. Aber jeder konnte doch seine Nische finden – in der Kunst- und Buchhandlung, in der Klostergärtnerei, im Biergarten und bei der Vesper der Mönche.

Mit ein paar Minuten Verspätung erreichte der Bus dann wieder St. Hildegard in Viernheim – und mit einem Danke an die Teilnehmer, den Busfahrer und Andrea Schwarz für die Organisation der Fahrt endeten vier ereignisreiche Tage bei wunderschönstem Spätsommerwetter . Nein, das ist falsch… sie endeten eigentlich nicht… sie gehen weiter. Die Eindrücke vom „Kreuz tragen“ und von dem Frieden in der Wasserburg, dem Kloster der Schwestern, werden alle weiter begleiten.

Und genau deshalb war es die passende Fahrt zum zehnjährigen Jubiläum vom „Haus des Lebens“ – ja, wir tragen das Kreuz derer mit, die unter ihrer Last zusammenbrechen – und wir können es deshalb tun, weil wir im Frieden Gottes geborgen und aufgehoben sind… so wie in dieser alten Wasserburg in Dinklage.

 

Andrea Schwarz