Predigt zum 2. Fastensonntag / A 20.03.2011
CREDO heißt: Ich glaube! Das ist unser Fastenthema im Blick auf das Große Glaubensbekenntnis, heute also die ‚erste Strophe’.
In dem lateinischen Wort CREDO steckten zwei andere Worte COR/das Herz und das Verb dare/DO, geben/ich gebe. So ist das CREDO nicht bloß eine Aufzählung von Inhalten, sondern vor all dem mein persönliches Bekenntnis, mein Vertrauen, das so stark ist, dass ich mein Herz gebe, mein Herz darauf setze. Ich glaube nicht bloß etwas (eine beweisbare Tatsache), sondern ich glaube an etwas, was persönliches Vertrauen bedeutet ohne Beweis in unserem Weltsinn – ein Wagnis auch, aber ist es das nicht auch bei der Liebe, die niemand von uns als Wirklichkeit ernsthaft bestreiten will...?
In den biblischen Lesungen des 2. Fastensonntags erscheint uns Gott dazu als der, der Abraham aufruft seinem Wort zu trauen und sich auf den Weg ins Ungewisse zu machen. Und als der, der Jesus auf dem Berg der Verklärung Mut macht für seinen Weg nach Jerusalem und die Jünger – also auch uns – ermutigt auf Jesus zu hören und keine Angst zu haben, sondern zu glauben und unser Herz zu geben.
Lesung Gen 12, 1-4a
Evangelium Mt 17, 1-9
Wir glauben an
den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat...
So beginnt es, unser CREDO, wenige Worte bloß und doch unheimlich vieles darin. Ein gewaltiges Unterfangen sich daran zu wagen. Aufmerksam geworden bin ich dazu auf ein Buch von David Steindl-Rast[1], der über das Apostolische Glaubensbekenntnis geschrieben hat aus der verbindenden Perspektive der Religionen, da er sein Leben lang im Interreligiösen Dialog gearbeitet hat.
Wir glauben an den einen Gott.
Das Bekenntnis unseres Glaubens ist mehr als ein bloßes Für-wahr-Halten oder eine Ansammlung von Behauptungen und Wahrheiten. Auch wenn dies oft so erscheint, wenn dies in der Geschichte der Kirche oft so eingefordert wurde und auch wird.
Unser Glaube ist zunächst und vor allem ein tiefes Vertrauen (wollen)[2] und dabei geht es nicht um eine Qualität, um ein ‚Must have’, nicht um Vergleich, wer mehr oder besser glaubt, vertraut. Glaube und Vertrauen sind zunächst einmal Grundhaltungen eines Menschen und so in sich kostbar und wertvoll. Und es ist und bleibt ein Wagnis, wagemutig das Herz zu geben, CREDO zu sagen, ich glaube. Aber es ist darin auch der höchste Ausdruck der Liebesfähigkeit von uns Menschen. Wir glauben dabei (im Blick auf unseren Glauben) nicht bloß etwas, nicht bloß Tatsachen, die nachprüfbar sind, wir glauben an etwas, weil wir unser persönliches Vertrauen da einsetzen, was immer Vorschuss ist und Risiko[3].
Wir glauben an den einen Gott, an den Einen, nicht an die Vielen, an den Einen, der für uns einzigartig ist, der uns ein DU ist, ein Gegenüber, den wir personal verstehen, nicht bloß als ‚Irgendetwas über uns hinaus’, nicht bloß als ‚Energie’ oder ‚Geist’, sondern als Antwort auf die Grundfrage des Menschen nach dem, was Sinn gibt im Leben, Sinn gibt zu leben. Das, was der US-amerikanische Dichter Edward Estlin Cummings tiefpoetisch so ausdrückt: Ich bin durch dich so ich (I am through you so I)
Gott, ...der alles geschaffen hat
Dieser Eine, der mich so Ich sein lässt, er ist der Schöpfer, von dem die Bibel uns im Buch Genesis berichtet – in einem Schöpfungsmythos, nicht in einem Tatsachenbericht, in einer orientalischen Erzähltradition, die das Nachdenken über den Anfang[4] in erzählende Worte kleidet, die tiefes Verstehen eröffnen wollen.
Die Welt in der wir leben ist eine, die wir vorfinden und die Menschen irgendwie immer schon vorgefunden haben, seitdem es das menschliche Bewusstsein gibt: Ich bin. Und: Da ist etwas. Es gibt die Erde, Tiere und Pflanzen, den Himmel und die Sterne – und es gibt mich darin und die anderen. Und darüber hinaus ist Gott dieses Es, das gibt. Er ist der Schöpfer, der nicht einem Uhrmacher gleich das ganze konstruiert und dann zuschaut, sondern sich selbst gibt: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. (Gen 1, 26) und: Da formte Gott... den Menschen... und blies in seine Nase den Lebensatem. (Gen 2, 7) – kann erzählerisch mehr ausgesagt werden an Nähe und Verbundenheit? Ja: Ich bin durch dich so ich...
Er hat alles geschaffen, alles, das Sichtbare und das Unsichtbare, die Erde und den Himmel, die Materie und das Bewusstsein, das, was unseren Sinnen zugänglich ist und alles darüber hinaus, das Außen und das Innen, das Offenbare und das Verborgene: Alles. Alles steht unter seiner Zusage: Ich will – am Anfang, in jedem guten Anfang, auch in unserer Freiheit: ‚Ich will, dass du frei bist, Mensch, weil ich deine Liebe will und die macht Freiheit notwendig, ja zwingend und ich will deine Freiheit aushalten...’
Gott...den Allmächtigen
Ein Attribut Gottes, das lange, lange Zeit hoch im Kurs stand, mit dem der Mensch der Neuzeit aber seine größten Probleme hat, er, der doch selber sich mehr und mehr allmächtig sieht, der Wissen hat und mehrt und die entsprechende Macht dazu.
Der auch Erfahrungen hat in dieser Welt, tiefste Erfahrungen des Leidens Unschuldiger, wie etwa im Holocaust und anderen Völkermorden der Neuzeit.
Kann da Gott allmächtig sein, der dies alles zulässt?
Aber wir müssen auch aufpassen, dürfen nicht vorschnell urteilen. Allmacht, das ist nicht bloße Höchststeigerung der Macht der Mächtigen dieser Welt. Und Allmacht kann auch - philosophisch betrachtet - nicht einfach alles, was sie will – ein ‚rundes Dreieck’ etwa ist unlogisch und so auch mit Allmacht nicht erreichbar.
Die Allmacht Gottes, das zeigt die Entwicklung der Heiligen Schrift, die Botschaft seiner Künder, die Botschaft Jesu als Gipfel dann, diese Allmacht ist die der Liebe, die selbst in der tiefsten Erfahrung Ordnung und Sinn finden kann (kann, nicht muss!).
In diesem Zusammenhang spricht David Steindl-Rast etwa davon auf unsere eigene Erfahrung zu schauen: Was lehrt dich dein Leben? Ist nicht das größte Leid die Sinnlosigkeit, keinen Sinn zu erkennen und zu haben? Denn mit einem (wie auch immer) Sinn kann ich leben, kann ich auch im Leid überleben.
Das ist etwa die Beobachtung und Erfahrung von Viktor E. Frankl[5] im Konzentrationslager, der dies in seinem Buch ...trotzdem Ja zum Leben sagen beschreibt: Ein Lebenssinn kann das Menschlichste im Menschen aufrechterhalten, selbst unter den widrigsten Lebensumständen, nämlich Würde, Verantwortung, Liebe und Glaube.
Sinn aber ist für uns die Liebe, die freies Geschenk ist, eine Liebe, die Freiheit voraussetzt (Liebe kann ohne Freiheit nicht sein). Freiheit aber kann missbraucht werden, was Ursache vielen Leids ist, unmittelbar oder mittelbar. Daher spricht der Theologe Gisbert Greshake (Freiburg) vom Leid als dem Preis der Freiheit, der Liebe[6]. Wäre aber die Aufgabe der Freiheit zur Vermeidung von Leid seine sinnvolle Alternative? Ohne Freiheit keine Liebe, ohne Liebe kein Sinn...
Die Allmacht Gottes ist die Allmacht der Liebe, die in Jesus Christus seinen höchsten Ausdruck bekam, worauf wir in einer späteren Predigt näher eingehen wollen. Es ist die ohnmächtig-allmächtige Liebe, die das Leid teilt und überwindet und darin Sinn und Solidarität gibt – ohne die Freiheit aufzuheben, sondern in Freiheit die Liebe bis zum äußersten bringt.
Gott ...den Vater
Und damit kommen wir zu dem, was sehr tief uns Menschen bewegt, sei es positiv und bereichernd oder negativ und verletzend: Gott, der Vater.
Aber wie bei allem Sprechen von und über Gott, so müssen wir hier ganz besonders im Blick haben, dass wir menschlich von Gott sprechen, in unseren Worten und Bildern; es sind Worte und vor allem Bilder, nicht Tatsachen – es gilt das Grundwort der Theologie Deus semper maior – Gott ist immer größer.
Aber nichtsdestotrotz: Dieser Vater hat tiefgreifende Auswirkungen in uns allen, psychologisch ebenso, wie soziologisch, gesellschaftlich, denn es wurden und werden männliche Züge in Gott hineinprojiziert und weibliche (weitgehend) vergessen. Dies ist natürlich Historisch-logisch in einer sehr stark männlich und patriarchal geprägten Kulturwelt des Orients. Zu glauben, dass das Weiblich-mütterliche das Problem lösen und die besser Alternative darstellen würde, ist sicherlich ein Trugschluss, wenn man sich weiblich und matriarchal geprägte Kulturen und Religionen ansieht – es ist wohl eher nur anders...
Aber, wenn wir uns das Bildwort vom Vater, der auch Mutter ist (und damit wird es runder, voller) ansehen, dann sagt es uns doch etwas aus. Nur müssen wir dabei manchmal auch etwas Abstand gewinnen von unseren Vätern und Müttern, müssen das Bildwort klären und reinigen, ohne unsere Erfahrungen wegzuwerfen.
Gott ist die letzte Wirklichkeit für uns, wenn alle Wirklichkeit vergeht und zerbricht. Und diese letzte Wirklichkeit zeigt sich uns als Vater und Mutter, ist persönlich mit uns verbunden und ist in Sorge um uns – aus Liebe, die doch Wesensmerkmal wirklicher Eltern ist. Dieser Vater, diese Mutter ist das erste und das letzte DU, das mich ICH sein lässt und sagen lässt.
Wenn ich aber so in mein Leben schaue, dann kann ich mich fragen – und fragen sie sich mal – wem ich wie eine Mutter bin oder väterlich zugetan im besten Sinne (egal, ob ich tatsächlich Mutter bin oder Vater)? Und was lerne ich daraus über meine Beziehung zu Gott? Und was bedeuten meine Erfahrungen meiner Mütter und Väter für mein Gottesbild? Das ist ganz wichtig.
Und ein letztes: Gott ist als Schöpfer Vater und Mutter aller Menschen – ALLER. Alle Menschen sind so Geschwister. Und das hat Folgen... sollte es haben...
Wir glauben an
den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat...
...kurze Worte und Begriffe mit einer langen Geschichte und Tradition, mit Licht und Schatten, mit Chancen und Grenzen. Worte, die immer auch offene Frage bleiben werden, die keine endgültige Antwort bekommen (können, dürfen). Worte, die uns fordern und herausfordern, ja, einladen:
Füll mich mit deinem Leben, mit deinen Erfahrungen, mit deinem Vertrauen, deiner Liebe, deinem Glauben, Mensch. ‚Ich halte das aus’ – spricht Gott uns zu – ‚ich bin dein Gott, einer, dir Vater und Mutter zugleich, unendlich in der Allmacht meiner Liebe, die dich geschaffen hat...’
Pfarrer Ignatius Löckemann
Meditation nach der Kommunion
Ich glaube an
den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat...
einer
ohne andere und anderes
einzigartig mir zugetan
vater und mutter zugleich
liebe ohne grenzen
ohne angst
vor meiner freiheit
über alles mächtig
in der kraft der liebe
die alles überwindet
und alles durchdringt
was mein leben und leiden
je ausmachen kann
ein gott
vater und mutter
mir und allen und allem
allmächtige liebe
uns halt und zusammenhalt
du gott
durch dich
bin ich
so ich[7]
Das Gedicht von E.E. Cummings im Wortlaut
i am so glad and very
merely my fourth will cure
the laziest self of weary
the hugest sea of shore
so far your nearness reaches
a lucky fifth of you
turns people into eachs
and cowards into grow
our can'ts were born to happen
our mosts have died in more
our twentieth will open
wide a wide open door
we are so both and oneful
night cannot be so sky
sky cannot be so sunful
i am through you so i
[1] David Steindl-Rast, Credo. Ein Glaube, der alles verbindet. Mit einem Vorwort des Dalai Lama. Freiburg, 2010, 1-59. Br. David ist Benediktinermönch im Kloster Mount Savior NY/USA, wo er innerhalb der Gemeinschaft als Eremit lebt.
[2] Bernhard von Clairvaux, der große Mönchsvater der Zisterzienser, drückt es so aus: Begriffe machen wissend, Ergriffenheit macht weise.
[3] Wobei interessant ist, dass das CREDO sehr wohl unterscheidet: Wir glauben an den einen Gott... und den einen Herrn Jesus Christus... an den Heiligen Geist... (credo in... Deum) Aber: und die eine... Kirche, (credo... ecclesiam) nicht an die eine... Kirche.
[4] im Hebräischen heißt das Buch nach den ersten Worten ‚Bereschit’ (dt.: Im Anfang)
[5] 1905-1997, Begründer der Logotherapie (von griech. logos, Sinn), bzw. Existenzanalyse an ca. 1930, Die Logotherapie geht davon aus, dass der Mensch auf Sinn ausgerichtet ist und nicht erfülltes Sinnerleben zu psychischen Krankheiten führen kann.
[6] Gisbert Greshake, Der Preis der Liebe. Besinnung über das Leid, Freiburg 1992
Predigt zum 4. Fastensonntag 2011 - Der Geist und die Kirche

Einige von ihnen haben sicherlich das Buch Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott. von William P. Young gelesen. Ein sehr interessantes Buch, sicherlich sehr US-amerikanisch manchmal, stellenweise etwas pathetisch. Und wenn ich auch nicht alles teile, so hat es mich doch sehr berührt. Darin erscheint Gott als dicke, schwarze Frau mit einem fragwürdigen Sinn für Humor (101), über die Jesus sagt, sie ist ein echter Scherzkeks. (ebd.) Und auch der Heilige Geist, um den es heute geht kommt vor, heißt Sarayu, erscheint in weiblicher Gestalt, flimmernd-flirrend, durchscheinend, schwebend, nicht recht auszumachen...
Der Heilige Geist – die vergessene und vielleicht unterschätzte Seite Gottes – das hat Tradition.
Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, die ruah (ruach), ein weibliches Wort, Ausdruck von Dynamik und Bewegung, Wind und Atem – bewegte Luft: ruah wirkt in der Geschichte und bewirkt die Schöpfung, bewegt die Menschen, ist Weisheit und Kraft zur Neuschöpfung. Am Anfang (Genesis) schwebt der Geist über den Wassern, was aber richtiger heißen müsste „flattert“ voll Lebendigkeit.
Im zweiten Teil, dem Neuen Testament ist es πνευμα αγιον (pneuma hagion), mit dem Urwort Jesu der Beistand. Paulus schätzt den Heiligen Geist hoch, den wir in Taufe und Firmung empfangen, warnt aber vor Übertreibungen . Der Heilige Geist wohnt uns inne, ruft und betet in uns, tritt für uns ein, ist Angeld, Vorschuß, Erstlingsgabe und der Grund unserer Hoffnung. Im 3. Hochgebet beten wir: ...erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus – denn er ist der Geist der Einheit, der Geist, der uns befreit vom toten Buchstaben des Gesetzes (2Kor 3, 14ff), der uns Gott und Christus erkennen lässt (1Kor 12, 3;
Gal 4, 6), der uns frei macht, uns von ihm leiten zu lassen und der uns seine sieben Gaben schenkt .
Es ist der Heilige Geist, der das Leben Jesu durchwirkt von der Menschwerdung aus Maria bis zur Taufe im Jordan (Lk 3, 21), der ihn führt und jubeln lässt und den er im Tod in die Hand des Vaters gibt (Lk 23, 46). Der Geist, der uns bewegen will Jesus nachzufolgen.
Heiliger Geist, vielfach umschrieben und in Bilder gekleidet. Geist ist Urbegriff der Menschen, mit einer Fülle von Metaphern und Begriffen: Wind, Atem, Taube, Feuer, Sturm, Hauch, Brausen – und doch auch unbegreiflich: Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. (Joh 3, 8)
Die frühe Kirche hat um ihn gestritten – wie kann es anders sein. Und noch heute ist er Streitpunkt zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens, weil das Große Glaubensbekenntnis im Westen ergänzt wurde : der aus dem Vater und dem Sohn (filioque) hervorgeht.
Wir glauben
an den einen Gott, den Vater...
an den einen Herrn Jesus Christus...
an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater (filioque/und dem Sohn) hervorgeht... angebetet und verherrlicht wird...
So formuliert das Große Glaubensbekenntnis knapp, um die Würde und Eigenständigkeit des Geistes abzugrenzen gegen andere Meinungen.
Wie im Buch Die Hütte, ist der Geist schemenhaft. Selbst üppig phantasiebegabte Maler wie Tizian (Anbetung der Dreifaltigkeit, 1554), lassen nur eine blasse Taube aufscheinen. Und in der Theologie ist die Lehre über den Heiligen Geist nicht der meisten Theologen Lieblingskind.
Doch wenn der Heilige Geist beschrieben wird in seinen Wirkungen und seiner Bedeutung – auch ohne ihn ausdrücklich zu nennen – dann bedeutet er (oder sie) uns ganz, ganz Wesentliches. Und es ist so auch ein großes Verdienst der Ostkirchen dies immer wieder wach zu halten: Vergesst den Heiligen Geist nicht - Löscht den Geist nicht aus! (1Thess 5, 19).
Denn in einem alten Ausdruck ist der Geist der condilectus, der Mitgeliebte Dritte (Richard von St. Victor, +1173): Das Geschehen liebender Begegnung, der Raum in den hinein Vater uns Sohn sich selbst auf den anderen hin überschreiten, um sich zu finden... (LThK 4, Sp. 1312) – der Geist ist die Liebe, ist die Liebe des Vaters zum Sohn, und des Sohnes zum Vater.
Und: Wir alle, die ganze Schöpfung, sind hinein genommen in diese Liebe. Und diese Liebe, dieser Geist der Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen, wie es der Römerbrief so wunderbar beschreibt (Röm 5, 5).
Und damit lässt sich doch etwas anfangen!
Der Geist der Liebe – und lassen sie die Beschreibungen jetzt mal auf sich einwirken – der Geist der Liebe öffnet, macht weit, gibt Raum und verbindet. Diese Liebe lässt wachsen und ausbreiten, stiftet Gemeinschaft mit allen Verschiedenheiten (communio), lässt uns in Beziehung gehen und Beziehungen wagen und leben, hilft uns anderen Raum zu geben und das eigene Leben anzunehmen, uns befreien zu lassen von verkehrten Bindungen, von der Macht der Angst und der Geschichte unserer Verletzungen und üblen Erfahrungen, vom Zwang uns selbst rechtfertigen zu wollen und zu müssen. Dieser Geist stiftet uns an, ja zündet uns an – sein Symbol ist das lodernde Feuer – dem Leben zu dienen, uns einzusetzen ohne zu rechnen, dem Leben auf den Weg zu helfen (das ist zutiefst weiblich-mütterlich!). Diese Liebe ist der Urgrund unserer Liebe, wie auch immer sie aussehen mag, wie stark oder schwach sie ist und welche ‚Farbe’ sie hat.
Der Heilige Geist – ein Wahnsinnsprojekt...
...denn dieser Geist, der in uns lebt und wirkt, macht uns so unheimlich kostbar, wir sind Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6, 19) oder mit dem neuen Jugendkatechismus Youcat ausgedrückt, wir sind das Wohnzimmer Gottes (Youcat, 120) – und das hat Sprengkraft ungeahnten Ausmaßes.
So hat die Rückbesinnung auf den Heiligen Geist seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) dazu geführt die Zeichen der Zeit mehr wahrzunehmen , hat zur Bewegung der Charismatischen Erneuerung geführt, zur Befreiungstheologie und feministischen Theologie, hat die Friedens- und Umweltbewegung ermutigt und lässt ausschauen nach Kirchenreform, Theologie der Gemeinschaft (communio) inkl. Konsequenzen für die Struktur der Kirche und dem Wunsch vieler nach demokratischeren Wegen.
Ja, der Geist wirkt in charismatischen Personen und in der Liturgie der Kirche, in der Verkündigung und in der Diakonie, in der Begleitung von Menschen und auch im Kleinen und Alltäglichen – und ist so auch gefährlich, will und muss auch unterschieden werden...
Der Heilige Geist und die Kirche
Dieser Geist, der uns in der Taufe neues Leben schenkt, verbindet uns zur Kirche, will dieses neue, geistreiche Leben realisieren in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche – eine Kirche, die heilig, in Gott verwurzelt ist, die alles umfasst und so zu allen gesandt ist (katholisch, missionarisch) und zurückgeht auf das Zeugnis der Apostel.
Die auch Vehikel ist, Übergangserscheinung, kein Selbst- oder ‚Endzweck’ und die wie alle Vehikel reparaturbedürftig bleibt – wir werden und müssen immer an ihr ‚herumschrauben’.
Darum fällt im Großen Glaubensbekenntnis auch das Wörtchen an weg: Wir glauben an den einen Gott – weil wir uns in seiner ganzen Fülle hinein festmachen; aber wir glauben die Kirche, als sein Geschenk an uns und seine Aufgabe für uns. Und wer immer in dieser Kirche betet „Komm, Heiliger Geist“ muss auch bereit sein zu bitten: Komm und störe mich, wo ich gestört werden muss!“ (vgl. Bischof Wilhelm Stählin, +1975).
Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe
Allmächtiger, ewiger Gott,
...Erfülle die ganze Welt
mit den Gaben des Heiligen Geistes,
und was deine Liebe
am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute
in den Herzen aller, die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. Tagesgebet Pfingsten
Pfarrer Ignatius Löckemann
Text nach der Kommunion
Andrea Schwarz schreibt:
Der Heilige Geist als „guter Freund“,
den Gott den Menschen an die Seite gibt - Warum eigentlich nicht?
Der Heilige Geist, das ist der, der uns Menschen Mut macht,
der uns durch seine Liebe, seine Zuwendung verwandelt,
der das Gute und das Beste aus uns herauslockt.
Das ist der, dessen Nähe uns heil machen kann, der uns trösten kann.
Das ist etwas ganz Leises, Zartes, das auch geschützt werden will –
und das mich doch kraftvoll umspielt.
Es ist die Kraft und die Liebe Gottes, die mich umgibt –
und in die ich mich hineinstellen darf. (...)
Der Heilige Geist - der gute Freund der Menschen.
Der Freund, der uns nahe ist, der uns den Rücken freihält,
dem wir uns zumuten dürfen.
Der Freund, der uns zärtlich tröstet, wenn wir traurig sind –
und der uns kraftvoll in den Wind stellt, wenn wir aufgerüttelt werden müssen.
Ein guter Freund halt...


